Seppls kleine Sonnenblume

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Seppls kleine Sonnenblume

Kasperl, Gretel und Seppl gehen nach dem Abendessen noch einmal in den Garten, um nach ihren selbst gepflanzten Sonnenblumen zu sehen. Kasperl ist ganz begeistert, wie hoch sie schon gewachsen sind. Gretel ist sich aber sicher, dass sie noch ein ganzes Stück höher und größer werden. Ganz bestimmt sind in den Blütenmitten dann eine Menge Sonnenblumenkerne, die sie ausschütteln können, um sie im Winter in ihr Vogelhäuschen zu füllen. Seppl läuft um das kleine Sonnenblumenfeld herum, drückt an verschiedenen Stellen die großen Sonnenblumenstängel auseinander und sucht die eine Sonnenblume, die er gepflanzt hat. Doch er findet sie nicht. Da hilft ihm Kasperl beim Suchen und zeigt ihm eine Sonnenblume mitten im Feld. Seppl will es nicht wahrhaben, dass seine Sonnenblume ausgerechnet die kleinste sein soll. Er glaubt, Kasperl schwindelt ihn nur an. Doch Gretel muss Kasperl Recht geben. Sie erinnert sich auch genau daran, dass Seppl seine Sonnenblume genau in die Mitte des Feldes gepflanzt hat, weil er es so wollte. Seppl wirft der Gretel vor, dass sie seine Sonnenblume absichtlich weniger gegossen hat, als alle anderen. Deshalb ist sie nicht so groß gewachsen. Doch Gretel versichert ihm, dass sie seine Sonnenblume genauso tüchtig gegossen hat, wie alle anderen. Außerdem hat es ja im Sommer genügend geregnet und der Regen hat von oben alle Sonnenblumen gleichmäßig mit Wasser versorgt. Kasperl beruhigt ihn und kann es ihm nur damit erklären, dass es ja auch kleine und große Menschen gibt, also warum soll es nicht auch kleine und große Sonnenblumen geben. Seppl kann sich dass schon vorstellen, doch warum muss ausgerechnet seine Sonnenblume kleiner sein als alle anderen! – Er will, dass sie auch so groß wird, wie die von Gretel und Kasperl. Gretel schlägt vor, er soll mal noch ein paar Tage in Ruhe abwarten, vielleicht wächst sie ja nur langsamer. Morgen werden sie wieder nachsehen, doch nun wird es Zeit ins Bett zu gehen. So marschieren sie wieder zurück ins Haus, machen sich zum Schlafen gehen fertig und legen sich alle Drei ins Bett.
Als Kasperl und Gretel eingeschlafen sind, schleicht sich Seppl leise in die Küche, um nach der Plastikflasche mit dem Blumendünger zu suchen. Denn er glaubt nicht, dass seine Sonnenblume von alleine größer wird. Da will er lieber etwas nachhelfen. Er weiß nämlich, dass die Großmutti ins Gießwasser für die Zimmerpflanzen auch immer etwas aus dieser Flasche hinein schüttet und die wachsen und gedeihen auf den Fensterbrettern ganz toll. Deshalb will er diesen Blumendünger bei seiner Sonnenblume auch anwenden.
Mit der Düngerflasche und einer Taschenlampe geht er fast lautlos noch einmal in den Garten zu den Sonnenblumen. Damit er vielleicht schon bis morgen Wirkung zeigt, will er den Blumendünger nicht verdünnen, sondern so direkt aus der Flasche in die Erde um seine Sonnenblume schütten.
Gerade als Seppl den Schraubverschluss öffnet, spricht eine Stimme zu ihm:
„Halt, Seppl, tu das nicht! Ich, deine Sonnenblume möchte das nicht, sonst wird es mir schlecht und ich gehe kaputt!“ Doch Seppl will den Wunsch der Sonnenblume nicht akzeptieren und ist überzeugt, dass es seiner Sonnenblume gefällt, wenn sie morgen so groß ist, wie die anderen. Die kleine Sonnenblume ist damit aber gar nicht einverstanden und bevor Seppl den Blumendünger ausgießt, verschwindet sie unter Glockenklängen wieder ganz und gar zurück in den Erdboden. Seppl traut seinen Augen nicht und steht nun weinerlich mitten im Sonnenblumenfeld und blickt auf die Erde. Nun hat er gar keine Sonnenblume mehr. Von dem Glockenklang ist Kasperl aufgewacht und will nachsehen, was da im Garten los ist. Da entdeckt er seinen Freund Seppl, der wie ein begossener Pudel zwischen den Sonnenblumen steht. Er fragt ihn, was er sich denn im Dunkeln noch im Garten herum treibt. Verlegen stotternd meint Seppl, dass er nicht schlafen konnte und deshalb seine Sonnenblume doch lieber noch mal gießen wollte.
Da wird der ganze Garten plötzlich von einem grünen Licht durchflutet und mit einer geheimnisvollen Melodie erscheint die Blumenelfe. Sie hat alles beobachtet und erzählt Kasperl, dass Seppl seine Sonnenblume mit Blumendünger gießen wollte. Das hätte sie vergiftet, deshalb ist sie sicherheitshalber wieder in den Erdboden verschwunden. Da sieht Kasperl die Düngerflasche in Seppls hat und erinnert ihn daran, dass ihnen doch Großmutti verboten hat, keine der Spülmittel-, Reinigungs- und Düngerflaschen zu nehmen. Alle diese Mittel gehören nicht in Kinderhände.
Seppl muss der Blumenelfe versprechen, nie mehr eine dieser chemischen Mittel anzurühren. Dafür will sie seine Sonnenblume wieder aus dem Boden wachsen lassen. Seppl gibt der Blumenelfe sein Ehrenwort. Diese betont noch einmal, dass Chemikalien nicht in Kinderhände gehören und auch nicht in die von Erwachsenen. Sie schaden nur der Umwelt und der Natur. Deshalb soll man es auch immer der Natur selbst überlassen, die Pflanzen und Blumen wachsen zu lassen. Dann hebt sie ihren goldenen Stab und spricht:
„Seppls Sonnenblume soll wachsen und gedeih’n,
die meisten Kerne sollen in ihrer Blüte sein!“
Unter Glockenklang sprießt die Sonnenblume wieder aus dem Boden und wächst wieder heran. Seppl bedankt sich bei der Blumenelfe. Und Seppls Sonnenblume, hofft, dass er sie jetzt doch mag, obwohl sie die kleinste ist. – Ja, jetzt mag sie der Seppl auch und nimmt sie so, wie sie ist. Noch dazu, wo sie ja einmal die meisten Sonnenblumenkerne hat. Und das ist schließlich auch wichtig für die Natur, denn davon kann man im Winter die Vögel ernähren, damit sie nicht verhungern.
Ihr, liebe Kinder, seid sicher alle vernünftig und lasst die Hände weg von allen Flaschen mit chemischen Mitteln. Alle diese Mittel schaden nur der Natur und der Umwelt. – Und die wollen wir doch alle erhalten – für uns, für die Tiere und die Pflanzen, gell?
Und so, wie die Sonnenblumen und die anderen Blümchen ihre Blütenkelche in der Nacht schließen, macht ihr nun auch Euere Äuglein fest zu und schlaft gut.
Eine gute Nacht wünschen Euch die Puppenbühne Herrnleben und Euer Bamberger Kasperl!

© Wolfgang Herrnleben (GaPa, 2010)

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